Archiv der Kategorie 'Einzelhandel'

Kundgebung gegen die miesen Arbeitsverhältnisse bei Netto

Die ASJ Göttingen / Südniedersachsen solidarisiert sich mit dem Arbeitskampf bei Netto und unterstützt die Kundgebung von Beschäftigten von Netto in Göttingen am Samstag, 14.05. ab 14 Uhr vor dem Netto in der Prinzenstraße

Im folgenden veröffentlichen wir hier den Aufruf der Beschäftigten

Katastrophale Zustände bei Netto in Göttingen: Beschäftigte fordern Bezahlung von Überstunden, Einhaltung der Pausenzeiten und den Schutz ihrer Gesundheit

+++ von Beschäftigten organisierte Kundgebung vor Göttinger Filiale am Samstag, den 14. Mai +++ Erste bundesweite Presseberichte über Zustände in Göttingen +++

Am 14. Mai von 14:00 bist 16:00 Uhr findet vor der Netto-Filiale in der Prinzenstraße in Göttingen eine von Beschäftigten initiierte Kundgebung statt.

Anlass sind die katastrophalen Arbeitsverhältnisse in den Filialen des stark expandierenden Einzelhandelskonzerns.

Die Betroffenen, von denen die Mehrheit Frauen darstelle beklagen, dass die Arbeitszeit teilweise nicht entlohnt wird, Pausen nicht gewährt werden und ihre Gesundheit durch ungeeignete Kassenstühle massiv gefährdet wird. Darüber hinaus stellt systematisches Mobbing durch Vorgesetzte ein flächendeckend auftretendes Problem dar, dass in vielen Fällen zu erheblichen psychischen Problemen führt.

Kontinuierlich wird den Mitarbeiterinnen in den einzelnen Filialen ein Teil des ihnen zustehenden Lohns vorenthalten, indem die Arbeitszeit vor und nach Ladenschluss nicht bezahlt wird: „Zu unseren zentralen Forderungen zählt daher die Bezahlung der gesamten Arbeitszeit“, so die in der Gewerkschaft ver.di organisierte Karin S. „Wir werden es nicht länger widerspruchslos hinnehmen, dass wir tagtäglich teilweise mehrere Stunden lang unentgeltlich arbeiten müssen.“ Auch mit den unerträglichen Zuständen an den Kassen wollen sich die MitarbeiterInnen nicht mehr abfinden: „Durch die bisher verwendeten Stühle habe ich ständig Rückenschmerzen, den anderen Kolleginnen geht es genauso“ schildert eine Fatima K. ihre Situation. Die KollegInnen fordern dementsprechend ergonomische Kassierstühle.

Die Beschäftigten freuen sich über jede, und sei sie auch noch so kurze Teilnahme und Interesse an der Kundgebung.

Emmely gewinnt – aber was?

Es ist kaum zu glauben – nach zwei Jahren politischen und juristischen Drucks hat der Einzelhandelsriese Kaiser’s-Tengelmann AG herbe einstecken müssen. Die Kassiererin Emmely hat den Berufungsprozess gegen ihre Kündigung vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt am 10.06.2010 gewonnen!
Emmely – wer war das doch gleich? Emmely gehört zu den Personen, denen wir alle jeden begegnen, jedoch nie wahrnehmen. Emmely war über 30 Jahre lang Kassiererin und damit über 30 Jahren den immer mieser werdenden Arbeitsbedingungen im Einzelhandel ausgesetzt. Doch Emmely hatte irgendwann keine Lust mehr und beteiligte sich 2007 an den Streiks im Einzelhandel. Hier haben wir alle erstmals Leute wie Emmely wahrgenommen. Doch nachdem Großgewerkschaften einen neuen, nicht mehr ganz so miesen, Tarifvertrag abgeschlossen hatten, vergaßen wir alle Emmely und ihre Lage schnell, sie war für uns dann wieder die Kassiererin. Doch Kaiser’s Tengelmann vergaß nicht so schnell. Im Februar 2008 kündigten sie Emmely, weil sie vermuteten sie hätte sich Pfandbons in Höhe von 1,30 € angeeignet. Emmely und ihr Solidaritätskommitee haben es geschafft, dass diese Kündigung zurückgenommen wird.

Emmely erhält ihren Arbeitsplatz zurück. Doch was ist das für ein Arbeitsplatz? Die Arbeit im Einzelhandel ist geprägt von Lohndumping, Ausbeutung, Stress, repressiven Maßnahmen der Geschäftsleitung, Überwachung und der ständigen Angst gefeuert zu werden.
Kann Emmely und die vielen anderen Emmelys also wirklich einen Erfolg feiern? Diese Frage wollen wir im Rahmen einer Veranstaltung stellen und zugleich die Situation im Einzelhandel sowie die Möglichkeiten von Organsierung diskutieren:

„Ihr kriegt mich nicht klein“- Lesung und Diskussion
mit einer der wenigen Lidl Betriebsrät_innen
am Montag, den 14. Juni um 20 Uhr
Groner- Tor- Str. 32

„Ihr kriegt mich nicht klein“

Femko Göttingen, Basisgruppe Geschichte, ver.di, ver.di Jugend, ASJ Göttingen, der DGB und die DGB Jugend proudly present:

„Ihr kriegt mich nicht klein“- Lesung und Diskussion
mit einer der wenigen Lidl Betriebsrät_innen am Montag, den 14. Juni um 20 Uhr bei ver.di, Groner- Tor- Str. 32

Ausbeuterische Arbeitsbedingungen braucht man nicht nur in Schwellen- und Trikontländern zu suchen. Der Skandal, dass Menschen bei der Arbeit unter Druck gesetzt, mies entlohnt, krank gemacht, überwacht und gedemütigt werden, lässt sich direkt vor der Haustür in Göttingen finden. Da ist der Einzelhandel keine Ausnahme, dafür aber eine besonders prekäre.
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